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Hedemünden und die Germanienfeldzüge des Drusus

29. August 2009 [ Kein Kommentar ]

Etwa 15 v.Chr. war die Eingliederung des gallischen Gebietes als römische Provinz durch Cäsar und der Vorschub der römischen Grenzen unter Augustus an den Oberrhein und die obere Donau abgeschlossen. Damit rückte das germanische Siedlungsgebiet zwischen Rhein und Elbe in die Einflussspähre der Römer. Die nämlich fühlten sich durch die germanischen Grenzübergriffe bedroht und beschlossen daher mit Heer und Flotte gegen die Barbaren zu ziehen und auch das sogenannte freie Germanien zu befrieden.

Bug des römischen Flusskriegsschiffes "Victoria"

Bug des römischen Flusskriegsschiffes "Victoria"

Augustus Stiefsohn, Nero Claudius Drusus, führte seit 12 v.Chr. von den Garnisonsstädten Mainz und Xanten aus gestaffelte Feldzüge in die germanischen Stammesgebiete durch. 11 v.Chr. erreichte er die Weser und 9 v.Chr. die Elbe. Dabei stellten die römischen Feldzüge gegen die Germanen in den Jahren um die Zeitenwende nicht nur militärische, sondern auch logistische Herausforderungen dar. Bei ihren Feldzügen hatten die Römer nämlich nicht nur Probleme mit den widerspenstigen Chatten und Sueben. Denn die Versorgung der Truppen war aus den durchzogenen germanischen Stammesgebieten nicht sicherzustellen. Dazu reichten die natürlichen und wirtschaftlichen Ressourcen des Landes nicht aus. Es war notwendig, eine logistische Struktur aufzubauen, die es ermöglichte, den Bedarf der Legionen überwiegend aus dem römischen grenznahen Reichsgebiet zu beschaffen.

Stützpunkte entlang der Flüsse

Stützpunkte, Zwischenlager, Etappenlager mussten entlang der Flussläufe angelegt werden, denn der gewaltige Versorgungsbedarf der Legionen ließ sich nur auf dem Wasserwege decken. Drususzeitliche Stationen sind unter anderem in der Wetterau und an der Lahn entdeckt worden.

Erst im Jahre 2000 wurde ein Römerlager bei Hedemünden an der Werra entdeckt, das sich als wissenschaftliche Sensation herausstellte. Rund 200 km von der Grenze des römischen Reichsgebietes entfernt, stellt es den nordöstlichsten Stützpunkt der Römer dar, der bisher gefunden wurde. Das Hedemündener Lager scheint zudem eine zentrale Rolle bei den Drususfeldzügen gespielt zu haben.

Hedemündens Rolle beim Vorstoß zur Elbe

Da ist zunächst einmal die geografische Lage. Das Lager findet sich an einer Werrafurth, die sowohl in der Vor- als auch in der Nachrömerzeit ein Knotenpunkt wichtiger Fernhandelswege gewesen war. Aber die bisherigen Ausgrabungen haben auch gezeigt, dass es sich nicht nur um ein einfaches Versorgungslager gehandelt hatte. So wurde neben einem rund 3,2 Hektar großem Standlager ein angegliedertes kleineres, und ein weiteres grösseres vermutliches Marschlager sowie weitere Nutzflächen und Befestigungen gefunden. Die gesamte Anlage umfasst rund 25 Hektar.

Vom Rhein über Nordsee und Weser nach Hedemünden

Standort als auch Münzdatierung belegen, dass es sich um einen Stützpunkt aus der Drususzeit handelte, der für den Vorstoß zur Elbe von grosser Bedeutung gewesen sein musste. Heute gilt die Werra als unschiffbar. Mit ihren flachen Lastkähnen, die leer nur rund 20 cm Tiefgang aufwiesen und deren kleinere Ausführungen etwa 5 – 10 Tonnen Fracht transportieren konnten, waren die Römer aber durchaus in der Lage Weser und Elbe bis weit in deren Nebenflüsse und Oberläufe zu befahren. So dürfte das Hedemünder Lager nicht nur vom Niederrhein aus, entlang der Nordseeküste über die Weser, sondern auch von der Fulda und der Werra aus mit den nötigen Gütern versorgt worden sein.

Weitere Funde zu erwarten

Archäologen vermuten, dass bei systematischer Suche weitere römische Stützpunkte, vor allem in Kassel (Fuldafurth), möglicherweise aber auch bei Bad Sooden-Allendorf zu finden sein könnten. Besonders interessant wären auch Funde von Anlegestellen oder kleinen Häfen, durch die man mehr Aufschluss über die logistische Struktur der Germanienfeldzüge gewinnen könnte.

Endergebnis Limes

Die römischen Versuche, das freie Germanien dem Reich als Provinz einzuverleiben waren spätestens nach der Varusschlacht 9 nach Christi Geburt, gescheitert. Zwar wurden auch in den Jahren danach immer wieder Vorstösse und Strafexpeditionen durchgeführt, Ende des ersten Jahrhunderts wurde aber schließlich das rechtsrheinische Gebiet umfassend gesichert. Der Bau des Limes als dauerhafte Grenze des römischen Reiches zu Germanien fand hier seinen Anfang.


Dieser für History Magazin überarbeitete Beitrag wurde erstmals bei suite101 veröffentlicht.

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