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Hitler in Paris – ein Buch von Cédric Gruat

23. Februar 2012 [ Kein Kommentar ]

hitler-umschlag-4-schnittmarkenJuni 1940: Adolf Hitler war auf dem Höhepunkt seiner Macht. Am 21. des Monats musste Frankreich den von den Deutschen diktierten Waffenstillstand unterzeichnen. Einige Tage später flog Adolf Hitler nach Paris, sein erster und letzter Besuch der französischen Hauptstadt.

Der Autor machte sich auf die Spurensuche. Was wollte Hitler in Paris, wie wurde die Visite propagandistisch ausgeschlachtet? Fakt ist, der Besuch galt einer fast menschenleeren Metropole. Zweidrittel der Einwohner hatten die Stadt verlassen, auf der Flucht vor der deutschen Armee. Zudem fand die Visite in den frühen Morgenstunden statt.

Das genaue Datum der Hitler Visite ist nicht feststellbar

Ein zweiter, verwunderlicher Punkt: Der genaue Tag des „Blitzbesuchs“ ist umstritten. Deutsche wie französische Quellen geben unterschiedliche Daten an, zwischen dem 23. und 28. Juni. Und auch zwei der „künstlerischen“ Begleiter Hitlers – der Bildhauer Arno Breker und der Architekt Albert Speer – sind sich bezüglich des Termins nicht einig. Bleibt Gruat das Resümee: „Der Tag an dem Hitler nach Paris reiste, kann nicht präzise festgelegt werden,…“

Wichtiger als diese sonderbare Fußnote der Geschichte sind dem Autor die Intention Hitlers und ihre Wirkung. Vordergründig trat Hitler danach nicht als Triumphator auf, sondern als „bescheidener Tourist, den es danach dürstete, seine Neugier zu befriedigen…“. Der verhinderte Architekt war auf den Besuch gut vorbereitet. So kannte Hitler nach Mitteilung Brekers, der selbst einige Jahre in Paris verbracht hatte, viele bauliche Details beispielsweise der Oper.

Hinter Hitlers Bescheidenheit steckt propagandistisches Kalkül

Doch hinter der Bescheidenheit, dem architektonischen Interesse verbargt sich, so analysiert Gruat, ein anderes Bild: Hitlers Posen waren Teil einer überlegten Propagandastrategie. Er gab sich (vermeintlich) freundlich, versöhnlich; er brauchte eine Verständigungsgrundlage mit England. Doch – so zeigen es die Bilder – in Wirklichkeit nahm er die Stadt in Besitz.

Insbesondere die Filmsequenzen und Fotografien, die Hitler vor dem Eifelturm zeigen, haben, so der Autor, eine wesentlich stärkere symbolische Kraft, als dies zum Beispiel die Abnahme einer Militärparade durch ihn in Paris gehabt hätte. Hitler vor dem Eifelturm: Diese Bilder gingen um die Welt. Sie zeigen den Sieger in der Hauptstadt des so schnell geschlagenen Feindes.

Auch Hitlers Größenwahnsinn scheint in diesem Zusammenhang auf, wenn er kurze Zeit nach dem Besuch zu Speer sagt: „War Paris nicht schön? Aber Berlin muss viel schöner werden!…Wenn wir mit Berlin fertig sind, wird Paris nur noch ein Schatten sein. Warum sollen wir es zerstören?“

Ein interessantes, wie gut lesbares Buch

Insgesamt gelingt dem französischen Historiker ein interessanter Einblick in einen Moment der Geschichte, der für die Franzosen zu einem der demütigsten ihrer Vergangenheit gehört. Wie stark das Land unter der Niederlage gelitten (und dies verdrängt) hat, zeigt die Tatsache, dass erst 1970 über diese Katastrophe öffentlich diskutiert wurde. Diese und viele andere Fakten machen das Buch lesenswert. Lesenswert für alle, die sich auch für Einzelaspekte der konfliktreichen deutsch-französischen Vergangenheit interessieren. Zudem ist es Autor wie Übersetzern gelungen, ein gut lesbares Werk vorzulegen.

Cédric Gruat: Hitler in Paris. Juni 1940. Wolff Verlag, 2011. 188 Seiten.

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